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Die Geschichte von … “Whistles and Blinders”

Als Singer-Songwriter on the road findet sich die Inspiration zu meinen Songs buchstäblich auf der Straße.
Der Songtext zu “Whistles and Blinders” ergab sich aus folgender Geschichte:

Anfangs März 2020, vor dem Lockdown, befand ich mich an einem einsamen Ort in Spanien, kurz vor der andalusischen Grenze und hatte die vergangenen Wochen damit verbracht, die Songs für die nächsten drei Monate fertigzustellen und beim neuen Distributor in New York unterzubringen. Zwischenzeitlich war ich auf “meinem” Berg im Naturschutzgebiet meditieren. Abends saß ich mit Freunden zusammen und wir philosophierten am Lagerfeuer. Es war auch ein Enkel von Rudolf Carnap mit seiner lieben Familie – Blanka, einer talentierten Harfenspielerin und ihrem fast erwachsenen intellektuellen Sohn Levis – anwesend. So gab es immer wieder neue interessante Impulse und es wurde auch wegen der eindrucksvollen Natur um uns herum nie langweilig.

When days turns all into strange days …

Am Tag des Lockdowns kam ich von meinem Berg und ich erkannte die Welt nicht wieder. Die spielenden Kinder vor den Bodegas des kleinen Ortes und alle Einwohner waren verschwunden, obwohl es ein wunderschöner Frühlingstag und Wochenende war. Als ich erfuhr, was geschehen ist und nachdem die ganze Gegend von der Guardia Civil und dem Militär akribisch überwacht wurde, beschloss ich, den Van startklar zu machen. Ich fuhr los in der Hoffnung, über die Grenze nach Frankreich zu kommen, welche über 1000 Kilometer entfernt war, und dann nochmal 1000 Kilometer weiter nach Deutschland.

Ich schaffte es an dem Tag tatsächlich noch bis Valencia, wo ich am Abend eintraf. Es war gespenstisch. Keine Autos, nur lange, endlose Straßen und die einzigen Lichter waren die Ampeln. Ab und zu sah ich jemanden mit Maske im Gesicht und einer Mülltüte in der Hand zu einem Müllcontainer schleichen, um diese zu entsorgen und dann wieder schnell hinter einer Haustür zu verschwinden. Es war nicht erlaubt, sich weiter als 300 Meter vom Haus zu entfernen. Da mein Van gefühlt das einzige Fahrzeug in den leeren Avenidas war, war mir bewusst, dass ich auffiel wie ein bunter Hund, und ich rechnete jederzeit damit, dass die Guardia Civil gleich neben mir auftauchte.

Es dauerte endlos, bis ich die geisterhafte 1,6-Millionen-Stadt durchquert hatte. Mir taten die Menschen leid, welche gezwungen waren, in ihren Wohnungen auf so engem Raum eingesperrt zu sein. Trotz des mulmigen Gefühls war mir bewusst, wie privilegiert ich war, und falls man heute noch von Freiheit sprechen kann, so traf dies wenigstens auf mich zu. Kurz hinter der Stadtgrenze fand ich einen leeren Parkplatz am Meer …

Is there free space left for moving …

Am nächsten Morgen wurde ich umschwärmt von Policia local, dem Militär und der Guardia. Ich ließ es mir trotzdem nicht nehmen, kurz nochmal zum nahen Strand zu gehen, an dem ich am Vorabend noch ein kleines Ritual für den Weltfrieden und die Freiheit in aller Stille zelebriert hatte. Nur diesmal bei Tageslicht konnte ich die Absperrungen erkennen, welche den Strand und die dortigen Kinderspielplätze zur verbotenen Zone erklärten. Es gab mir einen Stich. Als ich zurück zum Wagen kam, erwartete mich schon die Guardia und dank meiner etwas rudimentären, aber ausreichenden Spanischkenntnisse verlief das Interview erfolgreich und ich konnte ungehindert weiterfahren.

Am selben Tag noch verließ ich kurz vor Barcelona die Autobahn für einen letzten Einkauf vor der spanisch-französischen Grenze, da Frankreich doch erheblich teurer ist. Ich fuhr also von der Atutobahn ab, und kurz hinter der Mautstelle erwartete mich ein Pulk von circa 30 Polizisten, Guardia und Militär. In scharfem Ton fragten sie mich, was ich hier mache. Ich ließ mich nicht einschüchtern und fragte ganz naiv nach dem Supermarkt, der sich laut Navi in der Nähe befinden sollte. Mir war klar, dass sie sich nicht besonders wohl fühlen mussten in der prallen Sonne in ihren schwarzen Uniformen und mit den Masken. Ich bedankte mich für die Wegbeschreibung und sagte “Take care”, worauf sie etwas verdutzt schienen.

Weed out the last wild flowers …

Nach meinem Einkauf stand der Pulk immer noch an der Mautstelle. Am liebsten wäre ich über die Brücke links an ihnen vorbei gefahren, doch sie wären mir mit Sicherheit gefolgt, denn sie wussten, dass ich die Auffahrt nach Norden Richtung Barcelona hätte nehmen müssen, um weiter zurück nach Deutschland zu kommen. So musste ich nochmal mitten durch die Sperre fahren. Diesmal aber konnte ich ein Lächeln hinter den Masken erkennen und sie winkten mich freundlich durch. Es hat sich wieder mal gezeigt, dass man mit Liebe und ohne Angst am weitesten kommt, und mein “Take care” kam auch wirklich von Herzen.

Die bizarren Berge im Hinterland von Barcelona waren beeindruckend; am liebsten wäre ich geblieben, hätte noch ein paar Tage dort verbracht, den Wagen abgestellt und wäre mit der S-Bahn nach Barcelona gefahren, doch die Abfahrten von der Autobahn waren alle streng überwacht. Auch auf den Tafeln auf der Autobahn kam ständig der Hinweis, wegen Covid-19 wären keine privaten, sondern nur Sonderfahrten zugelassen, und in der Tat sah ich auf einer Strecke von über 1000 Kilometern bis zur französischen Grenze nur drei weitere Wohnmobile. Ansonsten waren nur Lastwagen unterwegs, um die Lebensmittelversorgung zu gewährleisten.

While the crowd keep „bells, whistles and blinders“ …

“Yo trabajao y vivo en mi autocaravana” war ein sehr hilfreicher Satz, der bei den Kontrollen immer wieder Verwendung fand und mich ganz gut durchkommen ließ. Er entsprach ja auch der Wahrheit.

Abends erreichte ich Figueras, den Geburtsort Salvador Dalís. Dort übernachtete ich noch ein letztes Mal auf spanischem Boden, bevor ich am nächsten Morgen hinter der letzten Mautstelle in die nächste Sperre geriet. In den Blicken der Uniformierten meinte ich eine gewisse Unsicherheit zu erkennen, etwa die Frage, ob sie mich jetzt anhalten sollten, doch ich fuhr langsam, aber mit hoher Drehzahl und gar nicht leise an ihnen vorbei … sie ließen mich durch. Jetzt lag nur noch die Passstraße über die Pyrenäen vor mir und die nahe Grenze zu Frankreich …

You didn’t changed a bit

 

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@ jOE dEERE 2021

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